Mittwoch, 20. August 2008

Bodenhaftung

Auf der Suche nach dem entschwundenen Lieblingswirt wollten wir den Weg erst über kleine Pässe und dann der Südgrenze des Landes entlang nehmen, das Spuckerl* wär grad das rechte Fahrzeug dafür gewesen.

Doch Unwetterwarnungen ließen uns das Land von West nach Ost im kommoden Reisewagen queren, gut für (W)einkäufe. Am Retourweg tat's dann doch weh, die durchwegs in makellosem Sommerlicht sich öffenden Landschaften vom Grassnitzberg über Soboth, Rosental, Gailtal und Pass Thurn nach Haus nur "von oben" zu sehen, statt sie, mit reichlich triumphener Bodenhaftung, fast greifbar nah zu erfahren.

Aber die kleine Fahrt zum Osteopathen tags darauf, kurvenreich über Sudelfeld und Tatzelwurm führend, entschädigte ein wenig und ließ den Unterschied in Straßenlage und Unmittelbarkeit des Fahrgefühls noch deutlicher werden.

Der Lieblingswirt ward jedenfalls gefunden, kein Wirt allerdings mehr, sondern Projektvisionär, gastronomischer Mentor, strahlender Wegweiser innerhalb eines ehrgeizigen Gesundheits-Genuss-Unterfangens. Dafür aber führte er uns zu seinem neuen Lieblingswirt, der auch sofort der unsrige sein könnte, läge er denn bloß ums Eck, wie sich's für einen Lieblingswirt gehört. Best Backhendl ever. Lammleber. Rehbeuschl. Atemberaubendes Fingerspitzengefühl mit nur 23 Jahren.

extrazimmer



*[nicht das unsrige, aber die Landschaft passt ;-)]

Mittwoch, 13. August 2008

Gabelbissen

Gabelbissen

Nach dieser Speise ist ein Äquator benannt.







Frau Alma hat eine Sinnkrise und lenkt sich mit Essen ab

Dienstag, 12. August 2008

Kauen

Ich kaue bei Nacht.
Woran immer ich kaue, ich tue es so heftig, dass ich vom Zähneknirschen wach werde.

Ich kaue bei Tag.
Woran immer ich kaue, ich tue es so heftig, dass sich die Kiefermuskulatur verspannt und ich den Mund nicht mehr richtig öffnen, nicht mal einen Bissen Essen so recht aufnehmen kann.

Kann der Zahn, der so nagt, nicht einfach ausfallen?


Inspired by mu

Montag, 11. August 2008

dank einem

Dank Einem
für dieses Gedicht
es trifft
alle Wiederbegegnungen
wie gestern
eine war

Sonntag, 10. August 2008

Museum of Innocence

Die beiden Männer erschienen vor der mächtigen Kulisse der Felsenreitschule unfreiwillig reduziert auf ein höchst bescheidenes menschliches Maß.

pamuk

Sich eine Verbindung zur intimen Geschichte über Liebes- und Objektbesessenheit zu verschaffen war in dieser Raumunendlichkeit nicht leicht, und der Eindruck, es handle sich nicht eigentlich um den Dichter zu Gast, sondern eine in pompösem Rahmen inszenierte Promotion für dessen neuen Roman, ließ sich nicht wegschieben.

Helmut Lohner las einige Passagen aus der deutschen Übersetzung vor, aber seine schnarrende Stimme und der immer ein wenig auf Effekt bedachte Tonfall mochten atmosphärisch so gar nicht zu dem Text passen, in den man bereits gefallen war dank Pamuks von immer feinem Lächeln begleiteter eigener Worte zu den 600 Seiten, in eigenwilligem Englisch und endlos mäandernden Sätzenvorgetragen, in deren Fluss man am liebsten geblieben wäre.

Will man nun wissen, wie es zu den 4213 gesammelten Zigarettenkippen kam und zu all den anderen Objekten aus der Berührungsnähe der Geliebten? Bei gebackenem Kalbskopf und Veltliner im Garten der Blauen Gans gerieten Frau S. und ich allzu schnell vom Thema des Nachmittags zu eigenen Obsessionen. Und die Philharmoniker warteten auch schon.

Mensch, also Bösewicht

-Sono scellerato
Perché son uomo


singt Jago, sich zum Dämon von eigenen Gnaden stilisierend (aber im Showdown dann eine höchst lächerliche, nur mehr stammelnde Figur abgebend), während Otello durch die starre Kulisse taumelt, zu zart die Stimme, um sich über den doch so weich und dunkel gefärbten Klang des Orchesters zu erheben. Liebe, Raserei, Eifersucht - die großen Gefühle erstarren in einstudierten Bewegungen, als wären sie nie selbst gefühlt worden, als wäre der Sänger diesbezüglich noch unbeschrieben; ja, junge, noch wenig beschriebene Kräfte habe sich Muti hiefür geholt, war zu lesen. Starr auch die Personenführung, statisch die Chöre, die venezianische Wollüstigkeit der Kostüme erstickt im Halbdunkel der Bühne, in der Steife der Choreographie, und als im hinterhältig vertraulichen Zwiegespräch Jago-Cassio die beiden immer dann zu einem festgefrorenen Filmkader werden, wenn der verborgene Otello das Gehörte kommentiert, wird die ungeschickte statische Gewolltheit der Inszenierung, die da ins Lächerliche gleitet, überdeutlich.

Die zarte Transparenz der Vorspiele zum dritten und vierten Akt, die plakativ in unschuldiges Weiß gekleidete, auch stimmlich fließende Desdemona stimmen nur vorübergehend milde, der Abend bleibt als Unbehagen hängen. Die Salzburger Nacht danach ist kühl und menschenleer.

Heute 20:15 3sat

The Killing Hours of Expectation

Eineinhalb Stunden nach dem ersten Erwachen schrecke ich mit diesem Satz aus schwerem Morgenschlaf. Ist er die Beschreibung eines gegenwärtigen Zustandes? Dieser anhaltenden Lähmung, die allgemein verständlich als Ich genieße nach Monaten der permanenten Anspannung meinen Sommer kaschiert wird, dass ich's bald selbst glaube, dass es so sei. Doch wo nur tu ich's? Ich taumle durch Felsenreitschule und Festspielhaus, ein schwachbrüstiger Otello macht mich traurig, eine dumpfe Kasarowa ebenso, der Kiefer-Pavillon, Minikathedrale und gelegentliche Zuflucht, wird von Unverständigen heimgesucht oder ist gar verschlossen, ich habe einen Abend übrig, Vanessa Redgrave monologisch oder doch die Klanglabyrinthe des Salvatore Sciarrino?

...

Das Haus, das mir sieben Jahre lang Heimstatt war, ist zu einem Mutter-Kind-touristischen Objekt verkommen, der schattige Obstbaumgarten mit der tiefen Mooswiese ein riesiger, kiesbestreuter Platz geworden, niemand stößt sich dran, dass die Klettergeräte hier wohl fehlgestellt sind. Auf der Rückseite des Hauses statt Wiese Wasser, gesammelter Regen auf zerfurchtem, durchgrabenem Untergrund, ein bisschen glücklich bin ich hier doch gewesen, als alles noch anders war? Der mit mir diese Jahre geteilt hatte, ist ungewohnt analytisch, zu dunkel sei es gewesen, die Fenster zu klein, alles beengt und beengend, und ja, sage ich, nur in meinen Träumen, diesen wiederkehrenden, ist alles hell und luftig und offen, als sei's so gewesen.

Wie wir da im Traum über vergangene Träume sprechen, der kurze Dialog als luzide Gegenwart genommen wird, wie er, selbst geträumt, andere zu vergangenen Zeitpunkten tatsächlich stattgefundene Träume referenziert - diese Schichtung von Träumen erstaunt mich noch lange nach dem Wachwerden.

Montag, 4. August 2008

Das musikalische Huhn

musikalisches-huhn

Mittagstisch in Lech. Sollte im "La Fenice" nicht Vivaldi serviert werden?

Vielleicht aber auch Übereifer bei der Erfüllung der Rechtschreibnormen ... war am 1. August.

Montag, 28. Juli 2008

La Notte

Antonioni.

Jetzt.

Demut der Arbeit

Gestern tat ich's gebückt, dann in der Hocke.
Wie machen das die kleinen Kinder nur? Beschäftig sie etwas auf dem Grunde Liegendes (und immer ist alles des Augenblicks grundlegend), so gehen sie einfach in die Hocke und verharren dort, als gäbe es keine andere Haltung.

Heute versuchte ich's im Knien. Nicht weniger zu spüren auch dies. Aber sofort kam mir dieses Gefühl von Demut, das dem Knien offenbar zughörig ist. Und mit einer ganz anderen Geste griff ich ins Gras, fasste es zu Garben und schnitt es mit gesenktem Haupt.

Bin ich hoffärtig gewesen? ging es mir durch den Kopf, aus dem feuchten Boden stieg Unsicherheit, aber auch Erkennen, die Wiese als Spiegel.



Be my mirror

Sonntag, 27. Juli 2008

Beerenhunger

Die sonnenreifen Himbeeren bringt mir der Geliebte vom Sommersitz, "in die Moosbeer" geht auch immer wieder wer, und die Brombeeren kann ich mir täglich frisch in Nachbars Garten pflücken, wo sie überreich an den Sträuchern hängen.

Was mach ich nur draus?

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Beiträge zu meiner real virtuality

sehsucht

Huette

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Bodenhaftung
Auf der Suche nach dem entschwundenen Lieblingswirt...
ConAlma - 2008-08-20 12:35
Selbstverständlich...
Selbstverständlich Händlmaier! Schön,...
ConAlma - 2008-08-15 07:11
Aber bedenken Sie, Frau...
alles hat ein Ende, auch ihre Sinnkrise, nur die Wusrt...
katiza - 2008-08-14 11:23
76 grad celsius
meinem bescheidenen dafürhalten nach, dürften...
profiler1 - 2008-08-13 22:25
Wenn es denn nicht immer...
Wenn es denn nicht immer um sie ginge!
walhalladada - 2008-08-13 15:38
Die sind ihr ....wurst?
Die sind ihr ....wurst?
ConAlma - 2008-08-13 15:33
Was weiß die Wurst...
Was weiß die Wurst von Sinnkrisen...?
walhalladada - 2008-08-13 15:26
:) An diese Regel hatte...
:) An diese Regel hatte ich mich freilich gehalten! Zumal...
ConAlma - 2008-08-13 15:07

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